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Pressespiegel

Coffeestop 2016 - Bedrohte Lebensgrundlagen am Amazonas und in Sao Paolo

Mit einer Gedenkminute für die am 3. März 2016 ermordete Shalompreisträgerin Bertha Cáceres Flores aus Honduras begann in diesem Jahr der traditionelle Misereor-Coffeestop, zu dem der Verein „Weltbrücke für fairen Handel“ eingeladen hatte. Denn auch in Brasilien, das diesjährige Misereor-Beispielland, das auch im Mittelpunkt des informativen Vormittags in der Weltbrücke stand, sehen sich Menschen, die sich für indigene Bevölkerungsgruppen und deren Lebensraum einsetzen, immer wieder massiven Bedrohungen durch Großgrundbesitzer oder Konzerne ausgesetzt. Die Journalistin und langjährige AK-Shalom-Mitarbeiterin berichtete vor rund 25 interessierten Besuchern über ihre Misereor-Projektreise im November 2015 nach Brasilien und aktuelle Entwicklungen sowohl im Amazonas-Gebiet als auch in der 19 Millionen-Metropole Sao Paolo.

Gut 204 Millionen Menschen wohnen in Brasilien, dem fünftgrößten Staat der Erde und der weltweit neuntgrößten Volkswirtschaft. Doch der Staat leidet unter extremen regionalen und sozialen Ungleichheiten: Die Lebensbedingungen im Süden und Südosten des Landes stellen sich wesentlich besser dar, während im Norden und Nordosten zum Teil extreme Armut verbreitet ist. Zwei Prozent der Landeigentümer besitzen fast die Hälfte aller Nutzflächen; Kleinbauern hingegen besitzen nur allzu oft viel zu kleine Parzellen, um ihre Familien ernähren zu können, wie Ulrike Schurr-Schöpfel darlegte. Ein weiteres großes Problem zeige sich im Amazonas-Gebiet: Dort sind rund 100 große Wasserkraftwerke geplant oder bereits im Bau; die riesigen Stauseen und -dämme vertreiben Tausende Menschen, vor allem die dort ansässigen indigenen Bevölkerungsgruppen, aus ihrem ursprünglichen sozialen Lebensumfeld und entreißen ihnen meist ohne jede Entschädigung ihre Lebensgrundlage. Auf ihrer Reise lernte Schurr-Schöpfel Misereor-Partnerorganisationen und Landpastorale kennen, die sich in eindrucksvoller Weise – wie Shalompreisträgerin Bertha Cáceres Flores in Honduras auch - unter stetiger Lebensbedrohung für Kleinbauern, Fischer und Indigene einsetzen und sie gegen Landspekulanten und einen Staat verteidigen, der mit fortgesetzter Urwaldabholzung und gigantischen Staudamm-Projekten seinen wachsenden Strombedarf decken will.

Kirchliche Menschenrechtszentren, wie zum Beispiel das ebenfalls von Misereor unterstützte „Centro Gaspar García“ in Sao Paolo, kämpfen indes in der Millionenmetropole „für die Rechte von Menschen ohne Rechte“, so die rund zwei Millionen Bewohner von Elendsvierteln – Favelas – rund um Sao Paolo, die in improvisierten Hüttensiedlungen ohne Infrastruktur und Rechte leben. Doch gebe es in Brasilien ein verfassungsmäßig festgeschriebenes „Recht auf Wohnen“ auch für Favela-Bewohner, so Schurr-Schöpfel, das aber den Armen natürlich nicht bekannt sei. Das Menschenrechtszentrum unterstütze die arme Bevölkerung in ihrer Suche nach legalem Wohnraum und rechtlcher „Schlupflöcher“, die ein Bleiberecht in bestimmten Territorien der Stadt zulassen. Doch genauso wie im Amazonas-Gebiet brauchen die engagierten Menschenrechtler einen langen Atem, denn Brasiliens Bürokratie ist langsam und – ebenso wie die Interessen von Landspekulanten und Konzernen - nicht selten höchst intransparent und von Korruption geprägt.

Weltbrücke für fairen Handel e.V.

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