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Gute Ideen im "Land der aufrechten Menschen"

Mit großem Interesse befragten die Kinder der Sankt-Walburg-Grundschule den Misereor-Gast über sein Heimatland und das Leben dort. Foto: Dagmar Kusche
Mit großem Interesse befragten die Kinder der Sankt-Walburg-Grundschule den Misereor-Gast über sein Heimatland und das Leben dort. Foto: Dagmar Kusche
Beim traditionellen "Coffeestop" in der Weltbrücke berichtet Agrarwissenschaftler Djibrillou Koura, diesjähriger Gast der Misereor-Fastenaktion, aus seinem Heimatland Burkina Faso. Foto: Dagmar Kusche
Beim traditionellen "Coffeestop" in der Weltbrücke berichtet Agrarwissenschaftler Djibrillou Koura, diesjähriger Gast der Misereor-Fastenaktion, aus seinem Heimatland Burkina Faso. Begleitet wurde er von Domkapitular Prälat Kühn (2.v.l.) und Weltkirchereferent Gerhard Rott (re.). Foto: Dagmar Kusche

Misereor-Gast Djibrillou Koura aus Burkina Faso berichtete über die wirkungsvolle Innovationen in Landwirtschaft und Viehhaltung

(ddk) Burkina Faso – eines der ärmsten Länder der Welt, fast jeder zweite der rund 19 Millionen Einwohner lebt unterhalb der Armutsgrenze. Die Landwirtschaft ist die wichtigste Überlebensquelle für die Burkinabé, die Einwohner des jungen westafrikanischen Landes. Doch die Menschen in Burkina Faso begegnen den widrigen Lebensumstände am Rande der Sahelzone, in ständigem Kampf gegen Bodenerosion und Trockenheit mit Erfindergeist und kreativen Ideen. Anlässlich des traditionellen „Coffeestop“ in der Eichstätter „Weltbrücke“ berichtete der diesjährige Gast der Misereor-Fastenaktion, Djibrillou Koura, vor zahlreichen interessierten Besuchern eindrucksvoll von seiner Entwicklungsarbeit. Als Geschäftsführer der Misereor-Partnerorganisation Diobass begleitet er seit vielen Jahren Kleinbauern und Viehhalter dabei, Lösungen für Probleme in der Landwirtschaft zu finden.

Djibrillou Koura geriet fast ins Schwärmen, als er in der „Weltbrücke“ von seinen Besuchen bei den landwirtschaftlichen Lehranstalten in Triesdorf und verschiedenen Bauernhöfen der Umgebung erzählte: „25 bis 30 Liter Milch pro Tag gegenüber 1,2 bis maximal vier Liter, die die Kühe pro Tag in Afrika geben, das technische Gerät, und alle sind in Deutschland mit Nahrungsmitteln versorgt und erzeugen sogar Überschüsse – das ist schon sehr beeindruckend für mich.“ Doch er ist realistisch. Diese Errungenschaften „kopieren“zu wollen ist kein gangbarer Weg. Die klimatischen Bedingungen in seinem Land – drei Monate im Jahr ist Regenzeit, der schlechte Boden, das stete Wasserproblem – all dies stellt die bäuerliche Bevölkerung, rund 80% der Burkinabé, vor große Herausforderungen. „Was wir in Burkina Faso brauchen, ist eine an unsere Bedürfnisse angepasste und vor allem auch nachhaltige Entwicklung – mit besseren Lebens- und Arbeitsbedingungen, aber immer auch in Harmonie mit der Umwelt“, sagt der studierte Agrarwissenschaftler.

Koura war viele Jahre als Ausbilder für ländliche Bauernverbände tätig und leitet seit 2006 die bäuerliche Beratungsinstitution Diobass. Diese Partnerorganisation von MISEREOR arbeitet seit über 30 Jahren daran, die landwirtschaftlichen Herausforderungen auf lokaler Ebene in den Griff zu bekommen. Ob Bodenerosion, Viehkrankheiten, Bewässerung, Probleme bei der Lagerung von frischen Produkten, Unkrautbekämpfung – die Bauern haben viele Schwierigkeiten. So unterstützt Diobass vor allem Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in Burkina Faso bei der selbständigen Entwicklung von Innovationen, die ihren Bedürfnissen der kleinbäuerlichen Landwirtschaft gerecht werden. Dies ist überaus wichtig, denn die internationale Agrarforschung, wie Djibrillou Koura den Gästen des „Coffeestop“ in der Weltbrücke eindrücklich erklärte, könne derartigen Problemen von Kleinbauern nicht gerecht werden. Ihre entwickelten Lösungen seien technisch viel zu aufwändig und auf die industrielle Landwirtschaft zugeschnitten: „Für Kleinbauern in Westafrika sind solche Lösungen weder erschwinglich noch geeignet“, betonte Koura realistisch.

Mit einem Film aus seiner Heimat erläuterte der Agrarfachmann seinem Publikum den Weg, den Diobass, unterstützt von MISEREOR, gehen will: „Diobass betreibt bäuerliche Forschung, die direkt mit den Bauern vor Ort und auf der Grundlage ihrer Erfahrungen und ihres überlieferten Wissens basiert.“ Am Beispiel der Suche nach einem Unkrautvernichtungsmittel beim Sorghum-Anbau, einem Hauptnahrungsmittel der Bevölkerung, berichtete Koura, wie die Kleinbauern gemeinsam mit Diobass nach vier Jahren „Forschung“ ein umweltfreundliches Pulver entwickelten, das das Unkraut in die Schranken verwies. Auf der Grundlage ihres bäuerlichen traditionellen Wissens, gepaart mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen von Diobass, konnte auch eine Salbe aus Kräutern und Wurzeln entstehen, die gegen die gefürchtete Pockenseuche bei Rindern wirksam ist. Natürlich gebe es in Bezug auf die Arbeit von Diobass, die die entwickelten Mittel in einem Forschungsinstitut auf ihre Verträglichkeit prüfen lässt, manchmal auch Skepsis von Seiten der Bauern. Aber meist sei ihr Vertrauen schnell zu gewinnen: „Denn wir machen ja die Bauern selbst zu Forschern und unterstützen sie nur bei ihrer eigenen Lösungssuche“, betonte Koura. Dieser Ansatz, die bäuerliche Bevölkerung selbst als Schlüssel für eine nachhaltige und angepasste Entwicklung zu sehen, werde indes inzwischen von vielen Hilfsorganisationen als guter Weg eingeschätzt: „Im Zentrum muss in Westafrika die bäuerliche, familienbetriebene Landwirtschaft stehen, die in Einklang mit der Natur steht“, resümierte Koura.

Am Vormittag hatte Koura auch die Grundschule Sankt Walburg besucht und den Schülern vom Leben der Kinder in Burkina Faso berichtet. Mit großem Interesse lauschten die Grundschüler den Erzählungen des Agrarwissenschaftlers über die selbstverständliche Mitarbeit der Kinder auf dem Feld, im Haushalt und der Viehhaltung und der Fürsorge der Geschwister untereinander. Mit Unverständnis reagierten sie auf die Tatsache, dass in Burkina Faso nicht jedes Kind auf die Schule gehen könne, nicht nur, weil viele Familien dafür kein Geld haben, sondern weil nicht genug Schulplätze zur Verfügung stünden. Dass der Präsident des Landes, anders als die Mehrheit der Burkinabé, gutsituiert in einer großen Villa mit Strom und Wasser lebe, empfanden viele der Grundschüler als äußerst ungerecht: „Warum verteilt er sein Geld nicht unter die armen Familien?“, so die Frage der Drittklässler. Koura versprach lachend: „Wenn ich wieder zu Hause bin, werde ich dem Präsidenten sagen, dass mich ein deutsches Mädchen gefragt hat, warum er sein Geld nicht mit seinen Landsleuten teilt!“

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