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Gelebte Nachhaltigkeit rund um den Bambus

Julia Schwarzer und Katarzyna Fidos vom Eichstätter Fairmode-Laden „fairwandel“ präsentierten eine Kollektion an Kleidungsstücken, die aus Bambusfasern gearbeitet sind. Foto: Dagmar Kusche
Julia Schwarzer und Katarzyna Fidos vom Eichstätter Fairmode-Laden „fairwandel“ präsentierten eine Kollektion an Kleidungsstücken, die aus Bambusfasern gearbeitet sind. Foto: Dagmar Kusche
Bambus als idealer Baustoff für Fahrräder: extrem hart, extrem belastbar, ausgezeichnete Dämpfungseigenschaften. Foto: Dagmar Kusche
Bambus als idealer Baustoff für Fahrräder: extrem hart, extrem belastbar, ausgezeichnete Dämpfungseigenschaften. Foto: Dagmar Kusche

Beim Finale der Eichstätter „Bambus-Bewegung“ gab es spannende Begegnungen mit einer vielseitigen Wunderpflanze


Leicht wie Carbon, stabil wie Stahl, schnell wachsend, zugleich genügsam und umweltfreundlich – die Rede ist vom Multitalent Bambus, einer faszinierenden Gräserpflanze. Sie stand im Mittelpunkt der Veranstaltung „Mode und Fahrrad aus Gras?: Die ganz besondere Solidarisierung“, die der Verein Weltbrücke in Kooperation mit der Katholischen Erwachsenenbildung Eichstätt e.V., dem Kolping Diözesanbildungswerk, dem Fairmodeladen „fairwandel“ und dem Hauptreferenten Engelbert Groß organisiert hatte. Der informative Abend mit verschiedenen Gästen bildete das Finale einer ganzen Reihe von Veranstaltungen rund um das vom Eichstätter Theologen Groß initiierte Projekt „Lebensrettung durch Aufforstung: das Bambuswunder“. Rund 80 Zuhörer ließen sich dabei von der Vielseitigkeit der exotischen Pflanze und ihrer zugleich wichtigen lebensrettenden Funktion auf den Philippinen überzeugen.

Ein Fahrrad aus Gras? Wie soll dies funktionieren? Perfekt, wie Johannes Heinle, Lehrer, Sportler und überzeugter Radbauer aus Ingolstadt, seinem Publikum an Hand seines originellen mitgebrachten Bambus-Bike erklärte. Bambus sei ein idealer und nachhaltiger Baustoff für Fahrräder, extrem hart, extrem belastbar trotz seiner Leichtigkeit, mit ausgezeichneten Dämpfungseigenschaften. Man spüre nicht jede Unebenheit der Straße, der Rahmen wiege nur zwischen 1,4 und 2,1 Kilo, er roste nicht und sei, anders als Carbon, nahezu bruchsicher. Doch Heinle verkauft diese Exklusivräder nicht: „Wir wollen, dass Sie Ihr Rad selbst bauen!“, erklärte der findige Radlbauer, der mit Kollegen aus Köln und München schon mehrere namhafte Auszeichnungen sowie einen Platz im Deutschen Museum erhalten hat. In Ingolstadt bietet Heinle regelmäßig zweitägige Workshops an, in denen jeder sein Unikat nach Maß – ob Citycruiser, Rennrad oder Mountainbike – bauen kann.

Als Gäste waren auch Julia Schwarzer und Katarzyna Fidos vom Eichstätter Fairmode-Laden „fairwandel“ mit einer kleinen Kollektion an Kleidungsstücken gekommen, die aus Bambusfasern gearbeitet sind. Die natürliche antibakterielle Wirkung und Temperatur ausgleichenden Fähigkeiten machen den Bambus im Fairkleidungsbereich sehr attraktiv. Darüber hinaus bilden der geringe Wasserverbrauch des Bambus, der zudem keinen Dünger und keine Pestizide benötige, maßgebliche Vorteile dieser Pflanze, während der Wasser- und Chemikalienbedarf konventioneller Baumwolle extrem hoch sei. Zwar gebe es bisweilen Kritik am Einsatz chemischer Methoden bei der Herstellung der beliebten Viskose aus Bambusfasern, doch fänden diese in geschlossenen Kreisläufen innerhalb der Fabriken statt, die bei fairen Anbietern immer auch öko- und umweltzertifiziert seien, so die Inhaberinnen von „fairwandel“.

Auch Rita Murböck von der „Weltbrücke“ konnte dem Publikum außergewöhnliche und zugleich praktische „Hingucker“ aus Bambus präsentieren. Längst bewährt haben sich sowohl die bunten „Eco“-Coffee-To-Go-Becher aus Bambusfasern als auch verschiedene Deko- und Haushaltsartikel aus geschnittenen Bambusstreifen. Als farbenfrohen und formschönen „Hingucker“ führte Murböck aber vor allem das umfangreiche Sortiment an Bambustellern, -bechern und –schüsseln einer unter fairen Arbeits- und Produktionsbedingungen in China produzierenden Firma vor, die aus Bambusabfällen, z.B. aus weggeworfenen Essstäbchen, ihre attraktiven umweltfreundlichen Produkte herstellt.

Doch sollten „Fahrrad und Mode aus Gras“ natürlich nicht allzu sehr auf romantische oder idyllische Wege führen, so erinnerte Engelbert Groß als Initiator des philippinischen Bambus-Aufforstungsprojekts in der Metropolregion Manila. Auch beim „Finale“ der „Bambusbewegung“ warf der Theologe, Eine-Welt-Didaktiker und Philippinenkenner noch einmal einen kritischen Blick auf die Realität des über 7.000 Inseln umfassenden Inselstaats. Seit 2016 habe das Land eine Art „Donald Trump“ als Präsidenten, der mit derben Sprüchen und Todesschwadronen regiere, den Staat gnadenlos von Drogenabhängigen, -mafia und Verbrechern „säubere“, Menschenrechte und Gerechtigkeit dabei aber brutal mit Füßen trete. Millionen Menschen, darunter vor allem die indigenen Völker, sähen sich durch Korruption, Landraub, aggressiven Bergbau und Abholzung stark bedroht.

Doch im Rahmen der „Bambusbewegung“, so Groß, sei ein Stück Hoffnung in die Existenz eines dieser verarmten indigenen Völker, der Dumagats, gekommen. Denn auf Initiative des Steyler Paters Benigno Beltrán leitete eine junge Künstlergruppe zusammen mit den Indigenen die Wiederaufforstung des bereits dramatisch abgeholzten Waldgebiets mit Bambus ein – eine Maßnahme, die nicht nur die permanente Bedrohung vieler Millionen Menschen durch Taifune, Sturzfluten und Dürren im Flussgebiet Marikina eindämmt. Auch sozial biete das Bambusaufforstungsprojekt, wie Groß eindrücklich darlegte, wieder neue Perspektive. Denn in dem von Armut, Kinderarbeit, Prostitution und Kriminalität geprägten Raum sorgen sich nun junge Menschen und indigene Gruppen solidarisch um ihren über Jahrzehnte zerstörten Lebensraum und wagen einen Neuanfang.

Salámat! Danke! für 15.000 Euro und 3.000 Bambussetzlinge

Im Rahmen der im Frühjahr 2016 von ihm initiierten „Eichstätter Bambus-Bewegung“ konnte Engelbert Groß die stolze Summe von insgesamt rund 15.000 Euro für die Bambusaufforstungsarbeiten von Pater Benigno Beltrán, die junge Künstlergruppe „Kinder der Mutter Erde“ und das indigene Dumagat-Volk sammeln. Vor allem die Mittelschule Schottenau, das Willibald-Gymnasium und die Rebdorfer Ministrantengruppen sowie viele Privatpersonen und Institutionen trugen mit ihren Aktionen dazu bei, dass nun 3.000 Bambussetzlinge gepflanzt und gepflegt werden können: „Das ist eine riesige schöne grüne Lunge, das ist konkreter positiver Klimawandel“, freute sich Engelbert Groß (lks.) in seinen Dankesworten an alle Unterstützer seiner Aktion.

Als Vertreter der Steuergruppe der Fairtrade-Stadt Eichstätt überreichte Weltkirchereferent Gerhard Rott (re.) Urkunden an Karlheinz Dietl (Pfarrgemeinderat St. Johannes/Rebdorf), Lehrerin Almuth Weyergraf und Schülersprecher Benedikt Haunschild vom Willibald-Gymnasium, Schülerin Anna Eberle von der Mittelschule Schottenau, Robin May als Vertreter der Ministranten Rebdorf, Schottenau-Lehrkraft Andreas Neudecker, Ulrich Bartosch, Pädagogik-Professor der Fakultät für Soziale Arbeit an der KU Eichstätt, und Weltbrücke-Vorstandsmitglied Dagmar Kusche (v.l.n.r.).

Weltbrücke für fairen Handel e.V.

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