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Pressespiegel

Menschen im Süden eine Stimme geben

Fairtrade-Botschafterin Hannah Rüther informierte über aktuelle Entwicklungen im Fairen Handel

Der faire Handel wächst – in Deutschland und weltweit. Hannah Rüther, Botschafterin und Referentin der unabhängigen Siegelorganisation TransFair e.V. berichtete im Rahmen eines von der Weltbrücke Eichstätt und der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) organisierten Informationsveranstaltung im Pfarrheim St. Marien/Dompfarrei über die aktuellen Entwicklungen im fairen Handel.

Als ehemalige Entwicklungshelferin in verschiedenen afrikanischen Ländern ist sie heute überzeugt davon: Der faire Handel kann in vielen Ländern der südlichen Erdhalbkugel oftmals mehr als westliche Entwicklungshilfe bewirken. Denn er ist gewissermaßen ein „ganzheitlicher Entwicklungsansatz“, der neben den wirtschaftlichen Gesichtspunkten auch die Umwelt, den Menschen und natürlich die Produktion umfasst: „Fairtrade arbeitet auf ganz vielen Ebenen. Die zentralen Anliegen heißen nicht nur „Einkommen“, sondern „Selbstbestimmung“, denn in der Lebenswirklichkeit der Produzenten haben Mitsprache- und Menschenrechte eine enorme Bedeutung“, betonte Rüther zu Beginn ihrer Ausführungen.

Erfreulicherweise konsumieren immer mehr Menschen weltweit fair besiegelte Produkte, von denen sie sicher sein können, dass alle an ihrer Herstellung Beteiligten angemessen entlohnt wurden und ein Leben in eben solcher Selbstbestimmung führen können. Weltweit wurden 2013 Fairtrade-besiegelte Produkte für 5,5 Milliarden Euro eingekauft. Deutschland liegt dabei auf Platz zwei hinter dem Marktführer Großbritannien und verzeichnete Rekordabsätze in Höhe von 650 Millionen Euro sowie ein Jahreswachstum von 23 Prozent.

Ziel von Fairtrade ist es, die wirtschaftliche und soziale Situation von Bauern und Arbeitern im globalen Süden zu verbessern: „Mehr als 1,4 Millionen Kleinbauern, Arbeiterinnen und Arbeiter in 74 Ländern profitieren direkt von den Vorteilen des Fairen Handels. Zusammen mit ihren Familien sind das über sechs Millionen Menschen“, so die Referentin. Dabei bilden die in den Fairtrade-Standards festgelegten Vorgaben – wie etwa die für viele Rohstoffe festgelegten Mindestpreise und vorgeschriebenen Prämien – die elementarsten Werkzeuge für die Entwicklung von Kleinbauern und Arbeiterorganisationen. Mehrere Studien, so stellte Rüther eindrücklich heraus, untermauern die positive Wirkung von Fairtrade für Bauern und Arbeiter, aber auch auf die Entwicklung von ländlichen Regionen, in denen es viele von Fairtrade besiegelte Organisationen gibt.

Neue und größere Absatzmärkte insbesondere für Produzenten von Kakao, Zucker und Baumwolle zu schaffen, ist das erklärte Ziel von Fairtrade. Dafür sieht die Organisation auch die Verarbeitung einzelner fairer Rohstoffe vor und entwickelte dafür eine eigenständige Kennzeichnung. So haben sich z.B. große Kakao verarbeitende Firmen wie Ferrero, Riegelein und Mars bereits dazu verpflichtet, Teile ihres eingekauften Kakaos aus fairem Handel zu beziehen. Ihre Produkte sind entsprechend mit dem Hinweis „Fairtrade Cacao Program“ oder mit dem Vermerk „Mengenausgleich“ ausgewiesen. Solche Programme, die auf die anteilige Verwendung von fairen Produkten hinweisen, gibt es auch für Zucker und Baumwolle. Sie gewähren, dass möglichst viele Produzentengruppen am Fairtrade-System teilnehmen können.

Für hundertprozentige Fairtrade-Anhänger gab es im Hinblick auf diese neueren Entwicklungen viel Diskussionsbedarf, wie sich in der anschließenden Diskussion auch zeigte. Vor allem eine fehlende Transparenz für den Kunden stand im Mittelpunkt der kritischen Nachfragen durch die Zuhörer, die die neuen Mischprodukte mit geringerem fairem Anteil in Frage stellten. Doch hier mahnte Hannah Rüther überzeugend einen Perspektivwechsel an: Unser Blick richte sich allzuoft vom „Norden“ her auf die prekäre Situation der Kleinbauern auf der Südhalbkugel. Betrachte man die Lage nun eher aus der Perspektive der vielen Millionen existenzbedrohten Kleinbauern, die dann müsse die größtmögliche Ausweitung des Marktzugang dieser zum fairen Handel das zentrale Ziel sein - verbunden mit Mindestpreisen und existenzsichernden Löhnen. Auch müsse man bedenken, dass „Fairtrade“ nicht alle Probleme des globalen Süden alleine lösen könne. „Doch auch wenn der faire Handel zunächst nur in Teilen des Marktes stattfinden kann: Wir Konsumenten gerade in den wohlhabenderen Teilen der Welt können ein Teil der Lösung sein“, schloss Rüther ihren Vortrag.

Dagmar Kusche

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